RÜCKBLICK 2009.
 

In vielen Branchen sind noch Stellen frei
Ausbildungsbörse: Schüler informieren sich in der Groß-Gerauer Kreissporthalle über potenzielle Arbeitgeber
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GROß-GERAU. Ein wenig durchatmen können Jugendliche auf der Suche nach Ausbildungsstellen. Die Lage ist nicht mehr so schlecht wie in der Vergangenheit. Selbst für begehrte Ausbildungsberufe gibt es mitunter noch freie Stellen, wurde gestern beim Rundgang über die Ausbildungsbörse in der Groß-Gerauer Kreissporthalle deutlich. Allerdings stellen die Unternehmen teils hohe Anforderungen.

Mit Fragebögen zu Ausbildungsfavoriten unter den Armen drängten sich etwa 2000 Jugendliche an den Ständen der 63 Unternehmen, Behörden, Institutionen und Hochschulen. Zum siebten Mal organisierten Ralf Plathen, Mitarbeiter der kommunalen Jugendarbeit der Stadt Groß-Gerau, und Walter Wilfer, Pädagoge der Prälat-Diehl-Schule, die Ausbildungsbörse. Deren Ziele: informieren und Hemmschwellen abbauen. Im Vergleich zur vorigen Börse vor zwei Jahren hat Wilfer ein breiteres Spektrum an Ausbildungs- und Studienangeboten festgestellt.

Die Kreisstadt sei als Schulstandort daran interessiert, Schulen und Arbeitgeber zusammenzuführen, um Arbeitsplätze im Kreis zu erhalten und den Schülern Perspektiven zu bieten, betonte Bürgermeister Stefan Sauer bei der Eröffnung.

"Wir hoffen auf tolle neue Leute, die genau so viel Spaß an der Ausbildung haben wie wir", warb Jessica Dienst von der Groß-Gerauer Volksbank für eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Zehn bis zwölf Ausbildungsstellen besetzt die Volksbank jedes Jahr, zwei mit Berufsakademie-Studenten.

Wer einen sicheren Job sucht, aber dennoch verschiedene Bereiche kennenlernen möchte, könnte beim Hauptzollamt gut aufgehoben sein. Rund 20 Ausbildungsstellen für den mittleren und gehobenen Dienst bieten die Hauptzollämter der Bundesfinanzdirektion. Die Ausbildung werde hoch vergütet, Einsätze erfolgten im Vollzugsdienst oder in der Sachbearbeitung. Nach bestandener Prüfung seien bislang alle Absolventen ins Beamtenverhältnis übernommen worden, sagte Kirsten Jung, Pressesprecherin des Darmstädter Hauptzollamts.

Nebenan am Stand der Bundespolizei und des Polizeipräsidiums Südhessen informierten sich etliche Jugendliche. Beispielsweise die 13 Jahre alte Lea Engel aus Riedstadt, die schon jetzt genau weiß, daß sie Polizistin werden möchte. Martin Tuchel (14) geht es ähnlich. Er ist an einem Praktikum interessiert.

Beratung über 130 Ausbildungsberufe vom Anlagen- bis zum Zweiradmechaniker leistet die Handwerkskammer Rhein-Main mit Sitz in Frankfurt und Weiterstadt. Lehrstellensuchenden rät Stefan Bärenz, Praktika zu absolvieren, um in den Beruf hinein zu schnuppern und Kontakte zu knüpfen. Auf dem Ausbildungsmarkt sei das Angebot inzwischen größer als die Nachfrage. Es gebe zwar nach wie vor populäre Berufe mit großer Nachfrage, aber auch Bereiche, die ihren Nachwuchsbedarf nicht mehr decken könnten. Bärenz hält daher eine frühzeitige Orientierung für sinnvoll. Ilja Enggraf (16) hat das Angebot der Handwerkskammer zur Praktikumsvermittlung genutzt und zwei Adressen für seine Traumberufe Tischler und Feinwerkmechaniker bekommen.

Als zukunftsweisend wertete der Inhaber eines Elektrotechnikbe-triebs den Beruf des Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik. Zwei Ausbildungsplätze biete er wegen des Fachkräftemangels jährlich an. Von Bewerbern erwarte er fundierte Kenntnisse in Mathematik und Englisch sowie "lebenslanges Lernen". "Zukunftsträchtig" sei seine Branche, meinte Jochen Bäumges von der Spedition Kuehne & Nagel, die für 2010 noch Auszubildende sucht.

Mit Menschen oder Tieren wollen die Freundinnen Nadine Kordula und Luzy Rehhahn später einmal arbeiten. Für diese Bereiche gebe es auf der Börse jedoch kaum Angebote, bemängeln sie.

Im technischen Assistenz- und Therapiebereich stellte die private Hochschule Fresenius Studiengänge vor. Für Jugendliche, die im Touristikbereich tätig sein möchten, bietet die private Schule für Touristik eine schulische Ausbildung. Der Kreis Groß-Gerau warb mit der Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten.

Wem es Spaß macht, technische Zusammenhänge zu durchschauen, für den ist der Ausbildungsberuf Mechatroniker eventuell die richtige Wahl. Procter & Gamble in Groß-Gerau stellt 2010 vier Mechatroniker-Auszubildende ein, auch bei der Firma Schenck sind für Kurzentschlossene noch Bewerbungen als Mechatroniker, technischer Zeichner, Kauffrau für Bürokommunikation oder Industriekauffrau möglich. Das Darmstädter Unternehmen bietet darüber hinaus Studiengänge in Zusammenarbeit mit der Hochschule Mannheim. "Auf den Einstellungstest folgen Gruppenübung und Einzelgespräch", sagte Schenck-Mitarbeiter Michael Christmann. Oft seien die Kenntnisse in Mathematik und Physik unzureichend.

Ebenfalls noch freie Ausbildungsstellen für Chemielaboranten und im kaufmännischen Bereich hat die Firma Merck. Erstmals würden 2010 drei Ausbildungsplätze bei der Werksfeuerwehr zur Verfügung stehen, die noch nicht besetzt seien, berichtete Frank Meisinger, der 2009 einen Rückgang der Bewerberzahl um etwa ein Drittel feststellte.

Zu einem Praktikum vor der Berufswahl rät Kerstin Koch von der Bundesagentur für Arbeit. Während für Eventmanager oder Veranstaltungskaufmann das Angebot gering sei, gebe es genügend andere Berufe mit guten Chancen. Im Trend liegt ihrer Einschätzung nach aber auch verstärkt ein Hochschulstudium.

Quelle: Groß-Gerauer Echo, 2009